December 12, 2018

Vegane Irrtümer und Vorurteile aufgedeckt – Teil 2

Vegane Irrtümer und Vorurteile aufgedeckt – Teil 2

Und weiter geht’s mit den veganen Irrtümern. Nachdem ich im ersten Teil schon viele Vorurteile auf den Prüfstand gestellt habe – unter anderem, wieso die vegane Ernährung gar nicht so extrem und unnatürlich ist – machen wir nun mit 5 weiteren beliebten Vorurteilen weiter, die immer noch in aller Munde sind. Sind Veganer für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich? Muss ich einen Nährstoffmangel befürchten? Das erfahrt ihr im Folgenden.

 

Vegane Irrtümer Teil 2: 5 vegane Mythen

 

Mythos #6: Veganer bekommen kein Protein/ einen Nährstoffmangel

 

Wie ich bereits schon in meinem Artikel „Sind Veganer die besseren Sportler?“ erläutert habe, muss man als Veganer generell nicht befürchten, an Proteinmangel zu leiden. Wer sich ausgewogen ernährt, erhält durch eine pflanzliche Lebensweise das gesamte Spektrum an Nährstoffen. Um Eisen, Calcium oder Protein muss man sich, sofern man sich abwechslungsreich ernährt, also keine Sorgen machen. Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, grünes Gemüse, Obst und Getreide sollten die Basis der Ernährung bilden. Wenn du dich zwar rein vegan, aber nur von Kartoffelchips ernährst, ist ein Mangel natürlich nicht weit.

Natürlich sollte man genau wie bei jeder anderen Ernährungsweise mit möglichen kritischen Nährstoffen befassen. Hierzu zählt zum Beispiel Vitamin B12, welches von kleinen Bakterien hergestellt wird: „It’s true, plants don’t make B12.  Animals don’t make it either. B12 is made by microbes that blanket the earth.“  Dies sollte man aufgrund unserer heutigen Lebensbedingungen unbedingt supplementieren. Die Problematik fasst Mel von Ricemilkmaid  in diesem Artikel gut zusammen: „Normalerweise befinden sich die besagten Bakterien übrigens auch in der Erde und auf Pflanzen, doch durch die moderne Agrarwirtschaft und die dadurch entstehende Sterilität unserer Lebensmittel wurden Vitamin B12 produzierende Bakterien aus diesen Bereichen leider völlig verbannt.“ Noch mehr zu diesem Thema erfährst du zum Beispiel in dieser tollen Infografik. Übrigens leiden auch viele Fleischesser unter einem B12-Mangel.

Fazit: wenn du dich abwechslungsreich und ausgewogen ernährst sowie B12 supplementierst, brauchst du dir genauso viele Gedanken über einen Mangel wie bei jeder anderen Ernährungsweise machen.

 

 

Mythos #7: So ein Ei schadet doch keinem!

 

Isst auch du nur Eier aus dem Garten deines Nachbars? Ich wundere mich immer wieder, wie viele Nachbarn heimlich gleichzeitig noch Hühnerbauern sein müssen, weil ich diese Aussage immer wieder höre.

Weniger als fünf Prozent der Hühner stammen übrigens aus der Bio-Landwirtschaft. Wobei es den Hühnern hier auch nur bedingt besser geht. Wie viele Eier, die Hühner in der Massentierhaltung mittlerweile legen, ist übrigens alles andere als natürlich. Ursprünglich lag die Eieranzahl mal bei 12-18 Stück im Jahr, inzwischen produzieren die Legehennen ein Ei täglich – bevor ihnen irgendwann der Tod droht, sei es durch eine Infektion oder das Schlachthaus. Und zu welchem Preis das Ganze? In der Bodenhaltung bleibt einer Henne etwa der Platz eines DinA4-Blattes, sie ist enormen Stress ausgesetzt und steht in ihrem eigenen Kot. Weil die Hühner schnell stressanfällig werden und sich gegenseitig attackieren, werden ihnen bei der Geburt die Schnabelspitze abgeschnitten. Da sich Krankheiten auf diesem engen Raum schnell verbreiten, greift man zudem zu Antibiotika. Übrigens sind die Unterschiede zwischen sogenannter Freilandhaltung und Bodenhaltung kaum nennenswert.

Und weil man für die Eierhaltung nur die Legehennen benötigt, werden die männlichen Küken direkt nach der Geburt geschreddert oder vergast. Erst vor Kurzem wurde entschieden, dass diese Massentötung männlicher Küken mit dem Tierschutz vereinbar sei.

Und noch einmal zum Nachbarn zurückzukommen: das Huhn legt das Ei für sich selbst. Wird es ihm weggenommen, muss es immer wieder „nachproduzieren“, was gegen die natürliche Lebensweise spricht. Übrigens scheiden die Hühner auch ihre unbefruchteten Eier aus, was ungefähr mit der menschlichen Menstruation vergleichbar ist: „Was wir also essen ist im Grund eine Eizelle (das Eigelb) umgeben von dem schützenden Eiweiß.“

Aber Eier sind doch gesund? Mittlerweile wird der Konsum von Eiern von Mancgen sogar mit dem Rauchen verglichen. Allein schon wegen des Cholesterins und den gesättigten Fettsäuren gibt es viele Gründe auf Eier zu verzichten.

 

 

Mythos #8: Wenn jeder vegan wäre, gäbe es nicht genügen Platz, um die pflanzliche Nahrung anzubauen

 

Die Krux an der Sache: die ineffiziente Nutzung der Landfläche. Es werden Unmengen von pflanzlichen Nahrungsmitteln produziert, die an die Tiere verfüttert werden, die dann geschlachtet werden, um das Fleisch zu essen. Mehr Fleisch bedeutet auch: mehr Getreide, das als Futter angebaut werden muss. In der pflanzlichen Ausgangsmenge gemessen, gibt es hier erhebliche Verluste, da letztlich nur wenig Fleisch „umgewandelt“ wird. Wenn man diese Lebensmittel jedoch direkt konsumiert, statt sie an Tiere zu verfüttern, könnten viel mehr Menschen davon ernährt werden.

In Deutschland wird rund 60% der der Landwirtschaftsfläche allein für die Tierfutterproduktion genutzt, während gleichzeitig noch Soja und Getreide importiert wird, um es an „Nutztiere“ zu verfüttern. Fleischproduktion ist also ein ziemlich ineffizienter Nutzen des Getreides.

Wenn sich jeder vegan ernähren würde, könnte man sogar deutlich mehr Menschen ernähren und einen wichtigen Schritt gegen den Welthunger unternehmen.

Jean Ziegler, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, formuliert es drastisch: „Die Weltlandwirtschaft könnte ohne Probleme 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“

 

 

Mythos #9 Für Sojaprodukte werden Regenwälder abgeholzt

 

Auch hier ist die Antwort nicht so offensichtlich, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Denn dass Regenwälder für den Anbau von Soja abgeholzt werden ist Fakt. Wichtiges Detail: rund 98 Prozent der produzierten Sojabohnen weltweit dienen als Futtermittel. Das bedeutet, das Vieh, das später geschlachtet wird, wird damit gefüttert. Insgesamt wird Soja hauptsächlich für Viehfutter produziert.  Und nur etwa 2 Prozent der weltweiten Soja-Produktion wird überhaupt zu Lebensmitteln für den Menschen verarbeitet. Der Regenwald wird also letztlich abgeholzt, um Soja zur Viehfutterproduktion nutzen zu können.  Hättest du das gedacht?

 

Mythos #10 Vegan leben ist viel zu teuer

Ohne hier noch weiter auszuholen, möchte ich euch hier zu diesem Thema meinen „Vegan ist zu teuer?“-Artikel ans Herz legen. Falls ihr dann immer noch nicht überzeugt seid, klickt euch gerne durch 7 vegane Gerichte unter 2 Euro!

 

Hier geht es zum ersten Teil der veganen Mythen.

 

Disclaimer: Noch ein kleiner Hinweis meinerseits: der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe versucht die Themen so gut es geht zu beleuchten, aber natürlich ist das bei so komplexen Themen immer schwierig.

 

Nun noch meine Frage an euch: mit welchen Mythen/Irrtümern seid ihr schon konfrontiert worden? Wovon wart ihr selbst zuletzt noch überzeugt?

 

Quellen:

http://www.worldwatch.org/

http://www.vzhh.de/ernaehrung/336341/Vegan_Herkunft_Soja.pdf

http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/soja-als-futtermittel/

http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Studie_Sojaboom_in_deutschen_Staellen.pdf

https://www.bpb.de/dialog/145727/wir-lassen-sie-verhungern-interview-mit-jean-ziegler

http://www.nbcnews.com/science/feed-4-billion-more-skip-meat-milk-eggs-study-says-6C10848930

http://naldc.nal.usda.gov/download/48661/PDF

http://www.worldwatch.org/node/549

http://www.nzz.ch/panorama/montagsklischee/soja-wird-hauptsaechlich-fuer-tierfutter-produziert-1.18335485

http://nutritionfacts.org/2011/08/25/vegan-b12-deficiency-putting-it-into-perspective/

http://eier.peta2.de/

http://maqi.de/txt/freilandmythos.html

http://www.huffingtonpost.com/2012/08/15/egg-yolks-smoking_n_1779211.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kuekenschreddern-verbot-in-nrw-ist-a-1093243.html

https://swedde.wordpress.com/2012/03/08/sterben-huhner-wenn-wir-ihre-eier-nicht-essen/

http://www.veganblatt.com/keine-eier

We Feed the World, 2005; Artikel „Das tägliche Massaker des Hungers – Wo ist Hoffnung?“

http://prime.peta.org/2013/08/hunger

 
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19 thoughts on “Vegane Irrtümer und Vorurteile aufgedeckt – Teil 2

  1. Christian sagt:

    @das Ei vom Nachbarn
    Ganz, ganz oft erfährt man in diesem Kontext, dass die allermeisten Menschen überhaupt nur ‚gutes‘ Fleisch essen. Das sie beim Metzger nebenan kaufen. Von dem sie wissen, dass er nichts mit Massentierhaltung zu tun hat und ein gutes Produkt liefert.
    Es gibt überhaupt kaum jemandem, der Fleisch zu Dumpingpreisen im Supermarkt kauft.

    Das ist ein ähnliches Syndrom wie mit der BILD. Auf Nachfrage liest die niemand. Trotzdem beträgt die Auflage knappe 1,8 Mio. (Tendenz stark fallend, immerhin)

    1. Lena sagt:

      Ja, da magst du recht haben! Ich kenne dieses Phänomen auch. Ich denke, dass viele Menschen sich da einfach selbst etwas vormachen, um ihren Lebensstil zu rechtfertigen.

  2. Huhu Lena,

    ein ganz toller Beitrag, wir sind begeistert. Es ist so schade, dass viele Menschen dem Veganismus mit so vielen Vorurteilen gegenübertreten. Schön, dass du die Problematik aufgreifst und die einzelnen Punkte verständlich erklärst.

    Vielen lieben Dank auch für die Erwähnung, wir fühlen uns geehrt und freuen uns, dass dir Mels Artikel weitergeholfen hat. ;)

    Liebste Grüße
    Cosima & Mel

    1. Lena sagt:

      Vielen lieben Dank euch beiden! Auch für den tollen Artikel und die Infographik! Finde es super, wenn man solche komplexen Themen einfach mal aufgreift und zugänglich macht. Das ist euch toll gelungen ;)

  3. Vielen Dank für diesen Beitrag Lena. Deine Artikel sind sehr informativ und gefallen mir sehr gut! :-) Ich finde das du so oft guten Input gibst :-)

    Zum Artikel, ja diese Aussagen / Vorurteile kenne ich auch alle nur zu gut. Schade das das Bild eines Veganers teilweise immer noch so falsch ist. Aber ich gebe die Hoffnung niccht auf und finde es wichtig darüber zu Bloggen um weiter zu informieren. Was ich persönlich sehr schade finde ist, wenn man Eier oder Milch isst / trinkt, Vegetarier ist und man meint man handelt jetzt im Interesser der Tiere, schließlich ernährt man sich ja vegan. Oder schlimm finde ich auch diesen Biowahn und dann doch Kekse, Gebäck, Milch im Restaurant, etc. – denken die das da Bio verwendet wird?!

    LG Svenja

    1. Lena sagt:

      Vielen lieben Dank, Svenja! Es freut mich sehr, dass dir meine Artikel gefallen. Ja, du hast recht, solches Verhalten ist manchmal etwas widersprüchlich.

  4. Jenni sagt:

    Liebe Lena!

    Diese Reihe gefällt mir besonders gut – du hast dir wirklich viel Mühe gemacht, indem du diese ganzen Fakten zusammengetragen hast, großes Lob dafür! Ich hoffe, sie helfen einigen Menschen, die Augen zu öffnen und ein bisschen klarer zu sehen.

    Liebe Grüße
    Jenni

    1. Lena sagt:

      Vielen Dank, Jenni! Es freut mich, dass dir diese Reihe gefällt. Ich hoffe auch, dass vielleicht dem einen oder anderen so die Augen geöffnet werden!

  5. Tabea sagt:

    Wie Hennen in Legebatterien leben, finde ich immer wieder schrecklich – und ekelhaft. Obwohl ich momentan wirklich viele Eier esse (fünf eigene Hühner im Garten, die frei herum laufen), würde ich nie im Leben welche essen, die man irgendwo kaufen kann… höchstens vom Bauernhof, wo ich die Hühner und deren Haltung sehen kann, würden sie für mich in Frage kommen. Alles andere finde ich einfach nur abartig und da kann ich jeden Veganer gut verstehen, der auf dieses Zeug verzichtet.
    Und auch der Mythos, dass wir verhungern müssen, wenn wir die Pflanzen gleich essen, statt sie erst in Fleisch „umzuwandeln“, ist irgendwie echt absurd. Wie kann man mit gesundem Menschenverstand annehmen, dass ein Tier mehr Nährstoffe liefert, als es vorher verbraucht hat? Mit ein wenig Physik (Energieerhaltungssatz) muss einem doch auffallen, dass das unmöglich ist, da das Tier ja auch Energie für Bewegung und Wärme verbraucht.

    Dein Artikel ist wirklich klasse! Aber je länger ich hier auf deinem Blog mitlese, desto eher fühle ich mich schlecht, wenn ich tierische Produkte konsumiere, obwohl ich da immer auf die Qualität achte und bio-Erzeugnisse vorzugsweise aus der Region zu wählen…

    Liebe Grüße

    1. Lena sagt:

      Vielen lieben Dank, Tabea! Es freut mich riesig, dass dir der Artikel gefallen hat und du etwas mitnehmen konntest. Ganz genau, diese „Rechnung“ ist tatsächlich ziemlich absurd. Wollen wir hoffen, dass immer mehr Menschen nach und nach dahinter kommen werden. In jedem Fall freut es mich sehr, dass du meinen Blog liest und ebenso mitdenkst :)

  6. Kirschbiene sagt:

    Huhu Jenni,
    du hast in diesem Post eines meiner „liebsten“ Mythen aufgegriffen ;-) – nämlich, dass VeganerInnen aufgrund ihres regelmäßigen Sojakonsums dazu beitragen, dass Regenwaldflächen zerstört werden. Im Grunde stecken in dieser Aussage sogar zwei Mythen – dass man bei einer veganen Ernährung automatisch ständig Soja zu sich nimmt (nö, muss man ja gar nicht) und dass das für den menschlichen Verzehr bestimmte Soja Schuld an der Rodung der Regenwälder ist. Ich glaube, dieser Mythos ist sehr weit verbreitet und hält sich hartnäckig. Was ich allerdings noch nicht wusste, ist, wie gering der Anteil Soja ist, der tatsächlich mal nicht in der Tiermast landet – nur 2%? Wow, das ist wirklich krass, danke für die Info. Mit diesen 2% ist dann auch tatsächlich „Regenwaldsoja“ gemeint, oder? Und es ist nicht das (Bio)Soja eingerechnet, das z. B. in Österreich oder Frankreich angebaut wird?
    Liebe Grüße
    Bianca

    1. Kirschbiene sagt:

      Ooops. Lena – verzeih mir, dass ich dich mit „Jenni“ angeschrieben habe ;-). Ich hatte heute Nacht eindeutig zu wenig Schlaf …
      Liebe Grüße!
      Bianca

    2. Lena sagt:

      Danke dir, Bianca und gar kein Problem! Ganz genau, nach meinen Informationen ist da das Regenwaldsoja gemeint. Und du hast absolut recht, dass man auf Soja nicht mal angewiesen ist! Wohl ein weiterer Mythos, dass Veganer den ganzen Tag nur Soja essen. Da hilft wohl nur weiterhin aufzuklären! ;)

      1. Kirschbiene sagt:

        Danke Lena, das ist eine wirklich interessante Info mit den 2% Soja.
        Ach ja, ich habe übrigens schon mehr als einmal von anderen gehört, dass sie nie vegan leben könnten, weil sie keinen Tofu mögen ;-). Dass es auch ohne Soja gehen kann, wissen manche anscheinend einfach nicht. Wobei ich Tofu übrigens sehr gern mag, ich passe also ins Klischee :-).
        Liebe Grüße,
        Bianca

        1. Lena sagt:

          Hehe ich finde Tofu übrigens auch richtig lecker! Da kommt es sowieso sehr auf die Zubereitung an!

          1. Kirschbiene sagt:

            Oh, willkommen im (Tofu-)Club :-)!
            LG
            Bianca

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