December 14, 2018

Vegane Irrtümer und Vorurteile aufgedeckt – Teil 1

Vegane Irrtümer und Vorurteile aufgedeckt – Teil 1

Wenn du dich vegan ernährst, wirst du häufig mit der Behauptung konfrontiert, dass diese Ernährung  ja doch recht extrem sei. Vegetarier können die meisten Menschen noch verstehen, schließlich muss das Tier ja sterben, damit wir es essen können. Warum man allerdings auch auf Milchprodukte, den geliebten Käse und das Frühstücksei verzichten sollte, das können nur die Wenigsten nachvollziehen. Die spinnen doch, die Veganer. Die Kuh gibt doch gerne Milch! Und wenn man sie nicht melkt, dann platzt das Euter! Außerdem macht Milch doch starke Knochen. Und das Huhn legt ja so oder so ein Ei, dann kann ich es auch ruhig essen….
 
Was dir bisher immer verschwiegen wurde…
 
Ja, die Realität ist leider nicht ganz so. Aus diesem Grund möchte ich heute mit den beliebtesten Mythen und Irrtümern im Hinblick auf die vegane Ernährung aufräumen.
 
Leicht fallen mir solche Artikel nicht. Ich möchte lieber durch leckere Rezepte und positive Artikel inspirieren, statt die Hintergrundfakten auf den Tisch zu legen. Auf der anderen Seite nützt es aber auch nichts, wenn das Thema totgeschweigen wird.
 
Da sich einige von euch gewünscht haben, mehr Hintergrundinformationen über die vegane Ernährung zu erhalten, möchte ich diesem Wunsch gerne nachgehen. Denn ich hätte mir selbst viel früher gewünscht, diese Fakten zu erfahren.
 
Als Veganer hat man mit so einigen Vorurteilen zu kämpfen. Die größten Vorurteile habe ich in der folgenden Übersicht zusammengestellt. Im ersten Teil präsentiere ich euch 5 vegane Mythen, die ihr unbedingt hinterfragen solltet.
 

Vegane Irrtümer Teil 1: 5 vegane Mythen

 

Mythos #1: Vegan? Dann kann ich ja nur noch Grünzeug essen!

 
 
Ganz im Gegenteil! Es ist wirklich unglaublich, wie sehr sich mein Lebensmittel-Horizont erweitert hat, seitdem ich mich rein pflanzlich ernähre. Wo ich früher immer zu den gleichen Produkten gegriffen habe, ernähre ich mich heute so abwechslungsreich wie noch nie. Gezwungenermaßen musste ich über meinen Tellerrand hinausblicken und habe dort unglaublich viel Neues entdecken können. Ist die vegane Ernährung also langweilig? Auf meinem Blog findest du zahlreiche Inspirationen und Rezepte, mit denen du dich selbst überzeugen kannst. In jeder Küche der Welt finden sich traditionelle pflanzliche Gerichte, die es zu entdecken gilt. Als Veganer kannst du dich also unglaublich abwechslungsreich ernähren und von kulinarischer Langweile ist hier keine Spur!
 

 

Mythos #2: Der Mensch hat aber doch schon immer Fleisch gegessen…

 
 
Also nur, weil es schon immer so getan wurde, wird es auch weiterhin so gemacht? Nach dieser Argumentation gäbe es auch heute noch die Sklaverei, Frauen dürften immer noch nicht wählen und wir hätten allgemein keinerlei Fortschritt.
 
Zudem ist diese Aussage auch nicht ganz korrekt.Forscher der University of California haben herausgefunden, dass die die nächsten tierischen Verwandten des Menschen sich fast ausschließlich von Pflanzen ernährten.
 
Außerdem stimmt das menschliche Erbgut zu 99 Prozent mit dem des Primaten überein. Die Definition der Paleo-Diät sollte also vielleicht noch einmal überdacht werden, wie Marlene Zuk in ihrem Werk Paleofantasy hervorhebt. Warum wollen wir uns denn überhaupt wie Steinzeitenmenschen ernähren?  „Perhaps, most importantly, Professor Zuk points out that Paleo man wasn’t particularly healthy, and that the idea of following a high-meat diet should be judged in light of today’s nutritional knowledge.“
 
Es stimmt, dass der Mensch besonders in Notzeiten ein Allesfresser war. Dennoch haben wir zum einen heute die Wahl darüber, was wir essen und zum anderen zeigen die zahlreichen Zivilisationskrankheiten, dass der Konsum von Fleisch der Gesundheit wohl nicht gerade zuträglich ist. Übrigens gilt das gleiche für das Thema Fisch. Dass man zudem eine höhere Lebenserwartung hat, wenn man sich pflanzlich ernährt, fanden die Wissenschaftler ebenfalls heraus.
 

“Studies are confirming the health benefits of meat-free eating. Nowadays, plant-based eating is recognized as not only nutritionally sufficient but also as a way to reduce the risk for many chronic illnesses.” – Harvard Medical School (Quelle)

 
Ein weiteres Thema ist: Wieso essen wir überhaupt die einen Tiere, während wir die anderen streicheln? Mehr zum Thema (Stichwort: Karnismus) findest du hier!
 
 

Mythos #3: Die vegane Ernährung ist mega kompliziert…

 
 
Natürlich bedarf es etwas Eingewöhnungszeit, wenn man seine Ernährung umstellt. Das ist allerdings bei jeder Ernährungsumstellung der Fall. Routinen und Gewohnheiten müssen sich neu bilden, neue Produkte wollen entdeckt und Rezepte ausprobiert werden. Du brauchst allerdings nicht viele Zutaten, um spannende vegane Gerichte zu kreieren. Ich würde fast behaupten, die leckersten Rezepte sind auch meist die einfachsten. Wenn du dich an meine Tipps für Einsteiger hältst, wirst du merken, dass die vegane Ernährung alles andere als kompliziert ist…
 
 

Mythos #4: Die Kuh gibt doch gerne Milch

 
 
Auch, wenn es tatsächlich viele überraschen mag: eine Kuh gibt nicht von Natur aus durchgehend Milch. Kühe geben aus genau dem gleichen Grund wie wir Menschen Milch: um den eigenen Nachwuchs zu versorgen. In der Milchindustrie werden die Kühe daher immer wieder künstlich zwangsbesamt. Ihren eigenen Nachwuchs bekommen sie dennoch nicht zu Gesicht, weil ihnen das Kalb schnell wieder entrissen wird. Was denkst du, woher Kalbsfleisch kommt?
 
Dass der Konsum von Milch alles andere als gesund ist, habe ich schon an dieser Stelle erläutert. Kuh-Milch ist genauso wie Muttermilch dazu da, den Nachwuchs zu füttern, wodurch darin auch lauter Wachstumshormone enthalten sind, die das Kälbchen groß und stark machen sollen. Kein anderes Lebewesen trinkt die Muttermilch einer anderen Spezies. Durch das viele Melken sind die Euter der Kühe übrigens häufig entzündet, wodurch es nicht ausgeschlossen werden kann, dass Eiter und Blut in die Milch gelangen. Na dann, Prost!
 
 

Mythos #5 Vegan leben ist so extrem

 
 
Klar, kann es „extrem“ wirken, wenn man von heute auf morgen seine Ernährung umkrempelt. Genauso extrem ist es aber auch, wenn man plötzlich vom Sportmuffel zum Marathonläufer mutiert. Manche Dinge erfordern eben „extreme“ Maßnahmen. Wobei, was ist daran eigentlich so extrem vorwiegend natürliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Getreide zu essen? Es sollte wohl eher nachdenklich machen, dass der als „normal“ geltende Lebensstil es beinhaltet, die Nahrung zu unwürdigen Bedingungen zu „produzieren“.
 
Was sich hinter den Kulissen abspielt, nur damit niemand auf sein Mortadella-Brötchen verzichten muss, finde ich persönlich extrem. Und zum Schluss kann ich nur sagen: ich bin extrem happy mit meiner Lebensweise!
 
 

Disclaimer: Noch ein kleiner Hinweis meinerseits: der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe versucht die Themen so gut es geht zu beleuchten, aber natürlich ist das bei so komplexen Themen immer schwierig.
 
Nun noch meine Frage an euch: mit welchen Mythen/Irrtümern seid ihr schon konfrontiert worden? Wovon wart ihr selbst zuletzt noch überzeugt?
 
 
Quellen:
 
https://vegofwa.org/2014/11/11/the-paleo-fantasy-continues/

http://michaelbluejay.com/veg/natural.html

http://www.health.harvard.edu/staying-healthy/becoming-a-vegetarian

http://www.collective-evolution.com/2015/01/18/re-thinking-the-cave-man-diet-paleo-were-our-ancestors-predominantly-vegetarian/

http://www.livescience.com/37102-vegetarians-live-longer.html

http://zeitjung.de/vegane-ernaehrung-mythen-vorurteile/

http://www.peta.de/so-schaedlich-ist-fischkonsum-fuer-die-gesundheit#.V1xWKDUVbGs

http://www.veganblog.de/2015/02/8-mythen-ueber-das-vegane-leben/

http://www.peta2.de/justiceforall

http://www.huffingtonpost.de/bettina-marie-schneider/milchproduktion-milchmaerchen_b_7141762.html

http://www.peta.de/milchindustrie#.V1webDUVbGs

https://www.vegpool.de/magazin/eiter-milch.html

 
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10 thoughts on “Vegane Irrtümer und Vorurteile aufgedeckt – Teil 1

  1. Rebecca sagt:

    Ich erinnere mich gerade wieder an eine Situation, als ich noch vegetarisch lebte und ein Ei zum backen aufgeschlagen habe…Da war ein halbes Küken drin. Ein grausames Bild nciht wahr!?!

    Den Satz, dass vegane Ernährung extrem sei, habe ich auch schon etliche Male gehört und meine Antwort ist immer die gleiche: Sagen wir es doch einmal so: alles was nicht der Norm entspricht, wird als Extrem deklariert. Wenn vegane Ernährung Normalität, Standard wäre, dann wäre wiederum Fleisch essen extrem! Kann es eigentlich wirklich extrem angesehen werden, wenn man Tiere nicht töten möchte!?!

    Wenn du magst, kannst du gerne auch mal meinen Beitrag „vegane Ernährung und lästige Mythen“ lesen, vielleicht hast du einige Punkte davon auch scho sehr oft zu hören bekommen. Ich packe den Link unten in die Box.

    viele liebe Grüße
    Rebecca

    1. Lena sagt:

      Vielen lieben Dank, Rebecca! Ich freue mich zu hören, dass du das genauso siehst wie ich. Du hast recht, alles was nicht der Norm entspricht wird schnell als extrem bezeichnet. Wobei eine gewaltfreie Ernährung für mich eben alles andere als extrem, sondern nur logisch ist. Dein Artikel hört sich super spannend an und ich werde unbedingt mal vorbeischauen ;)

  2. Julia sagt:

    Wie oft habe ich schon gehört. „Das ist so extrem, da kann man ja nichts mehr essen. Uns gesund kann das ja auch nicht sein.“ Oder das beste Argument „Aber wir brauchen doch Protein!“ Dabei kann ich viele Fragen davon absolut verstehen, weil ich sie genauso gestellt hätte/habe als ich mich noch nicht mit dem Thema auseinander gesetzt habe. Die Fleisch- und Milchindustrie haben einfach so eine große Lobby, dass sie die Möglichkeit haben jegliche Aufklärungsarbeit für die große Allgemeinheit zu unterbinden. Deswegen finde ich es sehr erfreulich, dass sie nun in den letzte Jahren doch einiges tut und es immer mehr Leute gibt, die sich damit auseinandersetzen und so die vegane Stimme immer lauter wird.

    1. Lena sagt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Julia :) Oh ja, ich weiß genau, wovon du sprichst! Deshalb ist die Aufklärung auch so wichtig, weil vielen Menschen die Hintergründe einfach nicht bewusst sind. Das mit der Lobby ist natürlich ein weiterer Grund. Ich finde es auch erleichternd zu beobachten, dass sich da zum Glück in letzter Zeit endlich etwas tut.

  3. Inga sagt:

    Klasse Artikel und so auf den Punkt gebracht. Ich befinde mich grade in Transformation von einer (überwiegend) vegetarischen zu einer (überwiegend) veganen Ernährung und bin bei der Recherche auf deinen Blog gestoßen. Ich habe bis vor kurzem ähnliche Zweifel gehabt in Richtung „Kann das gesund sein, bedeutet es nicht einen extremen Aufwand, die richtigen Nährstoffe zu ersetzen und aufzunehmen?“ etc. Außerdem bin ich mit „Indianer- und Wildnisromantik“ seitens meines Vaters aufgewachsen, in der das Jagen und Fleischessen normal ist, und wo man sich noch bei den Tieren bedankt (nach dem Motto, dann sei es ja okay). Deswegen habe ich lange nur Demeter-Fleisch gegessen, weil dort die Tiere noch mit dem meisten Respekt behandelt werden (kann ich bestätigen, weil ich die Höfe kannte). Aber trotzdem: ich HABE ja eine Alternative und bin nicht auf Fleisch angewiesen, das macht es ethisch höchst fragwürdig, ein Tier zum Essen zu töten. Hui, du merkst vielleicht, dass ich da viele Gedanken zu habe und lange konnte ich mir einfach nicht vorstellen, auf mein Käsebrot zu verzichten. Dass ich jetzt in Ecuador wohne, wo es wenig Milchprodukte gibt und der Käse mir nicht schmeckt, hat eigentlich den letzten nötigen Anreiz gesetzt. Du hast in einem anderen Artikel geschrieben, dass du gerne die Küchen anderer Länder erforschst. Falls du dir mal Ecuador vornehmen willst (eine Herausforderung, weil hier Fleisch quasi Pflicht ist), kannst du mich gerne anschreiben :) Liebe Grüße aus den Anden!

    1. Lena sagt:

      Vielen lieben Dank für den tollen Kommentar, Inga :) Ich kenne solche Gedankenmuster gut! Das mit den Rezepten aus Ecuador ist eine ganz tolle Idee. Das werde ich mir auf jeden Fall mal merken und bei Bedarf nochmal auf dich zurückkommen ;) Vielen lieben Dank und viele Grüße zurück!

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