December 14, 2018

Achtung Tierversuche – Darauf solltest du achten

Achtung Tierversuche – Darauf solltest du achten

Nicht nur ethisch motivierte Veganer beschäftigen sich mit dem Thema Tierversuche. Auch in der breiten Öffentlichkeit findet das Thema (zum Glück) zunehmende Beachtung. Für mehr Aufklärung in diesem Bereich möchte auch Natascha Dupré vom Verein TierVersuchsGegner Berlin und Brandenburg e.V. sorgen. Sind Tierversuche wirklich nötig? In welche Lebensbereichen spielen sie eine Rolle? Welche Alternativen gibt es? Ich freue mich, Natascha für einen Gastartikel gewonnen zu haben, die im Folgenden die Hintergründe dieser komplexen Problematik beleuchten und uns von ihren eigenen Erfahrungen berichten wird. Ein spannender und lesenswerter Artikel, den ich euch an dieser Stelle sehr ans Herz legen kann.

 

 

Vegan & Tierversuche: Tipps & Tricks wie es auch ohne geht

 
Achtung Tierversuche darauf solltest du achten
 
Ein Gastartikel von Natascha Dupré

 

„Ich lebe vegan. Vor drei Jahren wurde ich vom Vegetarier zum Veganer und habe es nie bereut. Anders als noch zu meinen vegetarischen Zeiten mache ich mir allerdings heute mehr Gedanken um die großen Zusammenhänge der Tierausbeutung.

 

Vegan = Ernährung

 

Bei dem Begriff vegan denken die meisten Leute direkt an Ernährung. Tatsächlich umfasst der vegane Lifestyle aber einiges mehr. Für mich ganz persönlich bedeutet vegan leben nicht nur den Verzicht auf tierische Produkte in der Ernährung. Ich möchte mit meinem Konsumverhalten auch ganz generell Tierleid verhindern.

 

Tierleid ist ja ein starker Begriff und nicht selten wird uns Tierschützern gerade im Bezug darauf Übertreibung und Unwissenheit vorgeworfen. Die „Gegenseite“ vertritt die Position, dass die Haltung von Schweinen auf Spaltenböden in Kastenständen und das Schreddern gerade geschlüpfter Küken zur Produktion „tierischer Proteine“ in Ordnung ist. Eine ausschließlich gewinnorientierte Herangehensweise, die jegliche Empathie und Menschlichkeit vermissen lässt.

 

Ich freue mich darüber, dass immer mehr Menschen sich Gedanken über ihre Ernährung machen und sich dafür entscheiden, zu dieser unmenschlichen Tierausbeutung nein zu sagen. Ich freue mich wirklich über jeden Einzelnen. Auch was das Thema Pelz und Leder angeht, denken ja glücklicher Weise immer mehr um.
 
Achtung Tierversuche darauf solltest du achten haushalt
 

Die Vergessenen

 

Leider hat jedoch eine Vielzahl von Tieren noch nicht wirklich die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf sich lenken können. Sie leiden still und gut versteckt in den Laboren.  Millionenfach. Die Versuchstiere.

 

Alleine im Jahr 2015 starben fast 3 Millionen Tiere qualvoll bei Tierversuchen in Deutschland. Sie wurden „verbraucht“ – so umschreiben es die Tierversuchsstatistiken des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

 

Tierversuche sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Ein weit verbreiteter Irrglaube hierbei ist, dass Tierversuche hauptsächlich für den Bereich zur Entwicklung neuer Medikamente stattfinden würden. Hier sterben in Deutschland jährlich „nur“ 630.255 Tiere.

 

Ein Großteil der Tests (ca. 58%) findet im Bereich der sogenannten Grundlagenforschung statt. Damit ist die Erforschung von Fragestellungen gemeint, die keinen oder nur einen wagen Bezug zu medizinischen Fragestellungen haben. Diese Versuche schaffen es übrigens aufgrund ihrer sehr offensichtlich ethischen Verwerflichkeit öfters mal in die Medien. Ein Beispiel hierfür sind die im Jahr 2010 wegen massiven Protests vorzeitig gestoppten Lawinentests mit Schweinen. Hier wurden narkotisierte Schweine im Schnee eingegraben und es wurde beobachtet, wann und unter welchen Umständen sie erfrieren bzw. ersticken. Ziel der Forschung war unter anderem die Fragestellung, ob die menschlichen Lawinenopfer nicht zu schnell als für tot erklärt wurden.
 
Wenig öffentliche Beachtung finden leider die standardisierten Prüfungsverfahren und Qualitätskontrollen für die Herstellung von Produkten und die dabei in ihrer Grausamkeit kaum zu übertreffenden toxikologischen Tests.

 

Grausam, grausamer – toxikologische Tests

 

Toxisch – das bedeutet giftig. Und mit genau solchen Stoffen werden die Tiere in den Versuchsanordnungen auch „in Kontakt gebracht“. Es werden Chemikalien in ihre Augen geträufelt, sie werden mit ätzenden Substanzen eingeschmiert oder langsam vergiftet. In der Reproduktionstoxikologie werden Muttertieren Testsubstanzen injiziert, um anschließend mögliche Missbildungen bei den herausgeschnittenen Föten zu beurteilen. Diese Aufzählung lässt sich noch weiter fortsetzen.
 
Achtung Tierversuche darauf solltest du achten Kosmetik
 

Notwendigkeit ist nicht die Frage

 

Nun gibt es unterschiedliche Gründe, warum all diese Versuche gemacht werden. Teilweise ist es der Wissensdurst der Forscher, teilweise auch einfach der gesetzliche Rahmen.
 
Über die tatsächliche Notwendigkeit der Versuche wird in jedem Fall heftig gestritten.
Ich persönlich bezweifle beispielsweise die Übertragbarkeit von Versuchen auf den Menschen, die an Tieren durchgeführt wurden. Weder der physische Aufbau des Körpers, noch die metabolischen Prozesse im Körper einer Ratte gleichen nun mal zu 100% denen in meinem Körper. So hat mir beispielsweise die Behandlung mit Penicillin über meine letzte Mandelentzündung hinweggeholfen. Eine Ratte wäre allerdings daran mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gestorben. Penicillin ist nämlich für kleinere Nagetiere giftig. Die mangelnde Übertragbarkeit wird mittlerweile auch von namhaften Wissenschaftlern vertreten.
Dieses Thema will ich aber jetzt gar nicht weiter ausbreiten. Es ist hochkomplex.
 
Worum es mir nämlich eigentlich geht, ist das Folgende: Nach meiner persönlichen – und zugegeben sehr ethisch geprägten- Definition von vegan, möchte ich Tierleid nach Möglichkeit verhindern. Und das in jedem denkbaren Bereich. Aus diesem Grund gehört der bewusste Verzicht auf im Tierversuch entwickelte Produkte für mich ganz einfach zum Vegan Sein dazu.

 

Leider ist dieser Verzicht nicht immer möglich. So wurden bzw. werden so gut wie alle herkömmlichen, auf dem Markt verfügbaren Medikamente, an Tieren getestet.
 
In anderen Bereichen gibt es diese Wahlfreiheit. Tierversuchsfreie Kosmetik ist da ein populäres Thema. Obwohl Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe in der EU seit 2013 verboten sind, achten viele Tierfreunde sogar darauf, ausschließlich Produkte von Firmen, die auch außerhalb der EU keine Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe durchführen, zu kaufen. Tierversuche sind jedoch nicht nur in diesem Bereich ein Thema.

 

Ein sauberes Geschäft? Tierversuche für Haushaltsprodukte

 

Tierversuche in einer Vielzahl von Haushaltsprodukten wie beispielsweise Waschmittel, Bodenreiniger oder Möbelpolitur. Tierversuche für Haushaltsprodukte sind gem. §7a IV TierSchG eigentlich verboten. Diesem Verbot steht jedoch leider höherrangiges europäisches Recht entgegen. Nach der europäischen REACH-Verordnung, mit der auch das deutsche Chemikaliengesetz konformgeht, sind alle neu auf den Markt kommenden Chemikalien nach deren Schädlichkeit für Mensch und Umwelt zu testen. Weil Haushaltsprodukte oft Chemikalien im Sinne der REACH-Verordnung enthalten, muss gesetzeskonform getestet werden.

 

Gerade im besonders relevanten Testbereich der Toxikologie finden diese Tests gegenwärtig noch größtenteils an lebenden Tieren statt. Von der unbeschreiblichen Grausamkeit dieser Versuche habe ich ja bereits weiter oben berichtet.

 

Meine Wohnung wird auch ohne Tierversuche sauber.
 
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Haushaltsprodukte ganz ohne Tierversuche

 

Seitdem ich um die Problematik von Tierversuchen für Haushaltsprodukte weiß, entscheide ich mich beim Einkauf bewusst für tierversuchsfreie Produkte. Leider ist das allerdings nicht immer ganz so einfach. Den fertigen Produkten ist das dahintersteckende Leid schließlich nicht anzusehen.
 
Manchmal sind die Produkte allerdings doch ganz leicht zu erkennen. Das ist immer dann der Fall, wenn sie eines der gängigen Labels tragen. Relevant sind das IHTN-Logo des Deutschen Tierschutzbundes, die Veganblume der Vegan Society und das Leaping Bunny der CCIC.
 
Oft ist es aber auch ganz schön schwierig, tierversuchsfreie Haushaltsprodukte zu erkennen. Die meisten haben leider keines der drei Labels. In diesem Fall ist die App „Wer macht?“ von Animals‘ Liberty empfehlenswert. Ladet sie euch einfach aufs Handy, scannt den Code und schon wisst ihr Bescheid. Und für alle nicht ganz so technikaffinen bzw. die mit einem ständig leeren Akku: Ich selbst halte mich beim Einkauf immer an eine Faustregel: Die Produkte der Marken Frosch, dm Denkmit! und Sonett sind alle tierversuchsfrei.

 

Einen Qualitätsunterschied zu Ungunsten der tierversuchsfreien Produkte konnte ich übrigens nicht feststellen. Eher im Gegenteil. Und es ist ein gutes Gefühl. Etwas überspitzt und kitschig formuliert würde ich sagen: Meine Wohnung ist sauber und mein Gewissen – zumindest in Bezug auf meine Putzmittel- rein.

 

Hilf mit! Gib den Versuchstieren eine Stimme und unterschreibe unsere Petition für ein Verbot der Tierversuche für Haushaltsprodukte und ihre Inhaltsstoffe.

 

Mehr über das Thema Tierversuche für Haushaltsprodukte erfährst du auf unserer Kampagnenseite erfährst du hier.“

 

 

Vielen Dank an Natascha für diesen aufklärenden Beitrag!

 

 

Inwiefern spielt das Thema Tierversuche in deinem Alltag eine Rolle? War dir diese Problematik bewusst?

 

 

 

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Allgemein , Lifestyle , Tipps

2 thoughts on “Achtung Tierversuche – Darauf solltest du achten

  1. Tabea sagt:

    Da habt ihr beide für diesen Gast-Post aber wirklich ein wichtiges Thema ausgesucht. Mir war noch gar nicht bewusst, dass so viele unnötige Versuche an Tieren gemacht werden.
    Tierversuche finde ich noch wesentlich schlimmer als den Verzehr von tierischen Produkten aus verantworzlicher Haltung…

    Gerade bei den Putz Mitteln hätte ich aber naiv wie ich bin, nicht erwartet, dass das Tiere für leiden müssen. In Zukunft werde ich also darauf achten, danke!

    Liebe Grüße

    1. Lena sagt:

      Danke für dein Feedback, Tabea :) Freut mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat und du noch neue Infos für dich mitnehmen konntest. Wirklich ein sehr komplexes Thema, bei dem es noch viel zu beachten gibt!

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